Samstag, 23. Dezember 2017

23.12.2017 Red Christmas

Der Wecker um 7 Uhr hat mich nicht geweckt, aber ich bin noch mit Genuss liegen geblieben und habe den Vögeln zugehört.

Der Blick aus meiner Zimmertüre

Mein Zimmer im Pastoral Center fünf Minuten Fußweg von den beiden ist einfach aber okay. Die Toilette hat keine Brille, aber die Spülung funktioniert. Die Dusch ist kalt, aber der Duschkopf in Ordnung, so dass ich abends vor dem schlafen immer noch duschen kann. Ich halte immer den Eimer gefüllt, damit ich mich noch waschen kann wenn das Wasser ausfällt.

Mein Zimmer im Pastoral Center

Der rote Staub in Kumbo bzw. der Trockenzeit ist allgegenwärtig. Wenn man in der Stadt unterwegs ist oder mit dem bike fährt durchdringt man undurchsichtige Schwaden aus rotem Staub, der auf der Straße so glatt ist wie Seife. Die Konsistenz erinnert mich eher an Kalk frisch aus dem Sack. Der Staub dringt überall ein, von den Fußzehen bis in die Haare. Ich kann mich echt nicht vorstellen so in den Schlafsack zu krabbeln.

Heute morgen wurde mit den Kindern die Türchen 22 und 23 aufgemacht und die Weihnachtsgeschichte vorgelesen. Vorher hatte ich mit Marie schon eine halbe Stunde Fotos auf dem iPad angesehen - und ich muss sagen dass sie sehr schnell raus hatte, wie man Fotos auswählt, blättert und so. Ich denke nicht dass sie das jemals schon gesehen hat.


Wir sind am morgen zu Ivolyn nach Shisong gefahren und haben ihr Geschenke für Ihre Sarah gebracht. Sie hat sich soooo gefreut. Und danach waren wir in der Bude der greencare Freiwilligen, also bei Till, der auch gerade seine Schwester Stella da hat. Sie organisieren sich eine gute Zeit in Kamerun rund um die Weihnachtstage. Eigentlich wollten sie zu Lagerfeuer an unserer Hütte aufkreuzen, aber wir müssen einfach ein bisschen sauber machen und Kuchen backen für den 24.

Aber heute gab es tatsächlich etwas sehr besonderes: Regen! Als die ersten Tropfen fallen sind wir gerade zu Fuß unterwegs zurück nach Squares um noch ein paar Sachen einzukaufen.

Die einzigen Regentropfen während meines Aufenthalts: Squares

Die Leute auf dem Markt haben plötzlich ziemlich eifrig alles abgedeckt und Schirme aufgespannt. Christina hat die wifi SIM Karte der beiden für die Weihnachtstage frisch aufgepumpt und dann haben wir uns beim Regen unter einem Schirm der Straßenküche eingefunden, die wir vorgestern schon beehrt hatten. Also das sind wirklich so die schönsten Momente für mich: leckere Sachen essen, dabei dem Treiben auf dem afrikanischen Markt zuschauen, mit den beiden erzählen und philosophieren.

Unsere Lieblingsküche in Squares: Omlette

Mit Ananas, einem Sixpack Wasserflaschen, zwei wunderbaren Avocados und Organen fahren wir mit zwei Bikes bis an die Schule. Eli erzählt mir dass es echt komfortabel ist mit mir zusammen mit den Bikefahrern zu verhandeln. Normalerweise bekommt sie dabei nämlich mindestens vier Heiratsanträge.

Wie läuft das mit den Bikes? Es gibt einige Bikestationen in der Stadt, also Plätze auf denen haufenweise Bikes und Taxis stehen. Von einer zur anderen gibt es so etwas wie normale Preise, die pro Person gelten. Wenn man also eigentlich 200 Francs zahlt kann man zu zweit auch mal 300 Francs raushandeln. Bei Weißen werden oft überhöhte Preise genannt, da muss man dann die Realität einfordern oder zum nächsten Bike gehen. Klar: wir zahlen immer noch mehr wie die Einheimischen - aber in Maßen. Die Fahrer und die Leute reden über die Preise, daher kann man hier echt von einer freien Marktwirtschaft sprechen.

Die Bike Station in Squares

Wenn man irgendwo außerhalb der Bikestations ein Bike braucht ist das auch kein Problem. Fährt man über mehrere Stationen summiert sich das halt. Die beiden denken nicht dass die Bikes über eine Mafia gesteuert werden. Die Fahrer arbeiten für sich hart und auf eigene Rechnung. Ich verstehe gar nicht wie die damit klar kommen, da die Preise für Benzin und die Bikes selbst nicht so günstig sind. Es gibt gefühlt tausende Bikes in Kumbo.

Als wir zu unserer Hütte gelaufen sind haben wir noch eine Schwester getroffen, die uns dann ganz stolz ihre Weihnachtsvorbereitungen in der Wohnung gezeigt haben. Sie wohnen einen Steinwurf weit von unserem Haus und doch haben die beiden nur selten mit Ihnen zu tun. Sie haben in einem Innenhof einen gemauerten Backofen, in dem sie eine kleine Krippe gestaltet haben. Sie haben keine Ahnung wie man diesen Backofen verwendet und ich habe Ihnen angeboten das zwischen den Jahren mal mit ihnen auszuprobieren. Schau Mer mal ob es dazu kommt.

Zu Hause geht es dann gleich los mit Plätzchen und Chinchin backen, Kuchen für morgen und Saubermachen.

Der Plätzchenbackofen

(Trocken)Hefeteig ohne Waage

Alle Möbel und Sachen aus der Hütte raus auf die Veranda und dann Wasser mit Waschmittel auf den Fußboden und mit einem Bündel oder Büschel Gras den Boden schrubben. Nach dem aufnehmen des Wassers hat mal eine wunderbar tiefrote Brühe. Dann noch einmal feucht alles durchwischen und man erkennt: es hat etwas gebracht. Auf dem Esstisch ist jetzt das Obst und die Geschenke neben dem Adventskranz, die Regale in der Sitzecke und in der Küche ist hübsch durchsortiert. Mir macht das richtig Freude, denn Weihnachten so weit auswärts braucht für mich schon eine besondere innere und äußere Vorbereitung. „Macht euch bereit“ auf morgen früh, denn um 7 Uhr morgens sind wir zu einem Gottesdienst in einer Nachbarstadt eingeladen. Wir überlegen noch ob wir neben dem versprochenen Kuchen noch die Gitarre und/oder Geige mitbringen sollen.

Freitag, 22. Dezember 2017

22.12.2017 Leute, Leute

Die Nächte sind wenig lustig hier, denn ich habe oft irgendwelche dunklen erschreckenden Träume. Vielleicht liegt das ja an der Hexerei, die hier in Afrika noch so viele in ihren Bann zieht und laut Christa im November und Dezember am häufigsten folgen zeigt. Es könnten aber auch die Nebenwirkungen der Malariaprophylaxe sein. Morgens beim Wachwerden kommen mir hier wunderbare Gedanken und Erkenntnisse. Anscheinend dauert es einfach bis die Eindrücke des vorigen Tages sich nachts sortiert haben. Also finde ich liegenbleiben langweilig und so bin ich gegen acht schon mit einem Schlüssel in die Hütte gegangen und habe meine Gedanken aufgeschrieben.

Die Hühner der Nachbarn - wer findet die vier Küken

Eigentlich hätte ich mich dazu draußen in die Sonne gesetzt, aber mir war klar, dass dann sofort die Kinder bei mir wären und ich dann nicht mehr geradeaus denken kann. Die Kinds sind super süß aber auch maßlos raumgreifend und kennen keine Scheu sich in den Mittelpunkt der Welt zu stellen. Leider sind wir trotz Urlaub immer wieder unterwegs und können mit den Kindern nicht in Ruhe die Adventskalendertürchen öffnen.

Heute haben wir uns eine Sightseeingtour in Squares und ein Besuch in Shisong bei Ephraim, Ivolyn und Elis Orphanage (Waisenhaus) vorgenommen. Außerdem brauchen wir noch Wasser und das ein oder andere vom Markt.

Nach einem Frühstück brechen wir ins youth center auf und bringen Mr Paul in Abwesenheit von Father Francline einen Stapel Briefe für die neuen Freiwilligen und ein Päckchen von Fr Hußlein. Wir schauen uns noch die Kirche an, in die Eli und Christina drei Monate lang regelmäßig besucht haben. Total zweckmäßig ist die Halle, Neonröhren, Bauholz, Plastikstühle. Hinten drei Trommel und Percussions, vorne vier Xylophone. Alles scheint irgendwie selbst gebastelt aus Krepppapier ausgeschnitten zu sein. Ich kann mir gut vorstellen wie hier die Post abgeht, wenn im Gottesdienst afrikanisch gefeiert wird.




Danach geht es mit einem mit 6 Fahrgästen zzgl. Fahrer besetzten Taxi nach Squares, das Stadtviertel von Kumbo unterhalb des SAC. Dort gehen wir zunächst zu Edwin, der unterhalb der Kathedrale eine Pizzeria betreibt, um kurz Hallo zu sagen. Er ist ein interessanter Typ, der schon viel von der Welt gesehen hat und sich mit uns darüber gewundert hat, warum es in Kamerun trotz Kühen und Ziegen noch immer keinen Käse gibt, warum man hier trotz Zucker und Kakao keine Schokolade herstellt. Er findet die Idee auch super, Tee aus Kräutern und Früchten zuzubereiten - hier versteht man unter Tee immer nur schwarzer Tee. Wir versprechen auf jeden Fall wieder zu kommen.


Dann die Kathedrale von Kumbo. Hm. Groß, teilweise pappig bunt mit Kunstblumen geschmückt, eine große Krippe wird morgen im Gottesdienst mit Figuren versehen. Der Altar reicht von der Breite her für zehn Zelebranten. Die Mädels erzählen dass sie noch keinen Gottesdienst erlebt haben, den nur ein Priester zelebriert hat. Selbst die „Missionen“ (im Unterschied zu den parishes vergleichbar mit unseren Kirchorten) haben meist zwei Priester. Irgendwie kann ich mir nicht so gut vorstellen wie hier die Post abgeht.




Wir gehen zu Palast es hiesigen Fons, also des Königs. Die Geschichte dieser Dynastie entstammt tatsächlich der von Foumban, da eine Schwester des dortigen Fons von dort abgewandert ist und hier ihr eigenes Königtum gegründet hat. Wir stehen vor Comicähnlichen Zeichnungen auf einer Tribune des großen Platzes vor dem Palast, da spricht uns ein Mann an. Er hat sich gefreut dass wir uns für die Geschichte interessieren und offenbart uns, dass er Prinz John ist. Er würde uns den Palast zeigen, wenn wir Interesse hätten. Der Fon selbst sein nicht im Haus, da ginge das.

Der Platz vor dem Palast zum Freitagsgebet

Also das hat uns wirklich sehr gewundert und gefreut. Sicher, uns war klar dass wir ihm etwas dafür geben müssen, aber die Mädels noch nie von einem Freiwilligen oder einem Einwohner gehört, dass sie den Palast von innen gesehen hätten. Also gingen wir mit ihm durch diverse Gebäude und Höfe, er zeigte uns wo die Königin Mutter, die 17 Königinnen (5 in einem anderen Palast) und die vielen Prinzessinen wohnen - sie haben gerade mit vielen Kindern gewaschen und Wäsche aufgehängt. Wir gingen in den inneren Hof, einen Gerichtsplatz mit einem großen Stein in der Mitte und einer bemerkenswerten Akustik.

Der Secret Court

Es gibt viele Räume und Türen, die nur vom Fon benutzt werden dürfen, Wege nur für bestimmte Zwecke oder Anlässe. Er erzählt uns wie gerichtet wird und welche Zauberkraft in den Ritualen steckt. In einem zweiten großen Innenhof ist ein weiterer Gerichts- und Verhandlungsort.

Dieser Platz dient allgemeinen Versammlungen

Links vom Thron die Sieben Ratgeber mit drei Vertretern und hinter ihnen fünf Helfer, rechts vom Thron bestimmte Königinnen und Prinzessinnen. Wenn es eine Straftat gibt werden die Verdächtigen in diesen Hof vor den Fon geführt. Kommt es zu keinem Geständnis nimmt der Fon Erde von einem bestimmten Punkt im Hof und mischt sie mit Palmwein zu einem Brei. Ist jemand der beiden mit schuld beladen so wird er dieses Ritual nicht überleben, das wissen die Betroffenen und ähnlich zum Schwur vor unseren Gerichten kommt so die Wahrheit zu Tage. Die Prinzen selbst dürfen nicht im Palast wohnen, denn sie gefährden als Thronfolger das leben des Fons. Wer Nachfolger wird bestimmt eine Geheimgesellschaft zum Zeitpunkt des Todes des alten Fons. Wir gehen noch mit ihm in einen besonderen Raum, wo der erste komplett in rotem Staub gehüllte Thron der Dynastie steht.


Um den Raum betreten zu dürfen stecken wir in den Thron jeweils ein Geldgeschenk. Wir besuchten noch eine Schwester des Fons, bevor wir draußen auf der Straße mit ihm noch über die anderen Organe des Königtums sprachen. Die "Armee" hat ein extra Haus, das früher am Platz der heutigen Kathedrale steht.


Die Muslime haben direkt neben dem Palast ihre große Moschee, so würde den Katholiken der Platz oben gegeben um niemanden zu benachteiligen oder zu verärgern. Der Fon selbst hat alle Religionen, da er Repräsentant seines Volkes ist.

Die Moschee direkt neben dem Palast

Wir bedanken und sehr herzlich und verabschieden uns. Wir nehmen zwei Bikes nach Richtung Shisong und treffen zunächst Ephriam später noch kurz Ivolyn. Die beiden waren Freiwillige in Deutschland und ich überbringe die herzlichen Grüße von verschiedenen Menschen, die mich darum gebeten haben. Morgen werden wir erneut dorthin fahren um Ivolyn noch Geschenke zu bringen.

Unterwegs in Shisong

Dann gehen wir in die Kantine des Krankenhauses etwas essen und treffen dort zufällig Leute, die die beiden kennen. Überall werden wir herzlich willkommen geheißen. Und dann erst im Waisenhaus! Die Kinder und die Caretaker freuen sich wie wild über den Besuch von Eli, die dort für drei Monate am Morgen mit den Kindern und am Nachmittag mit den Erwachsenen gearbeitet hat. Sie überreicht ihr Weihnachtsgeschenk: ein Foto-Alphabeth mit Bildern, die sie im Orphanage mit den Kindern gemeinsam gemacht hat. Alle sind so happy und dankbar dass wir kaum noch dort loskommen. Wir machen noch ein Familienfoto und machen uns dann auf den Weg zu einem Freund der Eli einen Fön leihen kann.


Auf dem Rückweg nehmen wir das erste mal ein Bike zu dritt, gehen noch einkaufen und fahren dann mit den ganzen Sachen (u.a. 5 kg Mehl und 9 Liter Wasser) Taxi.

Ein total voller Tag. Ich werde nicht über WhatsApp online gehen in dieser Zeit hier. Mir wird klar wie unwichtig manches wird, wenn man Leute trifft, sich mit Kindern auseinander setzt, die kein leichtes leben haben (werden). Hier geht es oft genug darum, nur den nächsten Schritt richtig zu tun, damit man nicht scheitert. Vieles geht so vergessen, was fest zugesagt war, Termine bleiben auf der Strecke, Verabredungen gehen vergessen.

Donnerstag, 21. Dezember 2017

21.12.2017 Einkaufen in Kumbo

Um 7 Uhr klingelt mein Wecker aber ich pack’s nicht. Um 8 Uhr stehe ich auf und versenke erst mal das Toilettenpapier in der Schüssel. Zum Glück treffe ich gleich jemand die mir dankenswerterweise eine neue Rolle gibt. Dann gibts Frühstück mit Eli und Christina bevor Eli und ich um 9:30 über das Pastoral Center zum Bishops House gehen und Fr Luis einen Stapel Briefe übergeben. Er ist total nett und bemüht und versucht den beiden bei der Verlängerung der Visa behilflich zu sein.

Auf dem Weg zum Bishops House mache ich Bekanntschaft mit einer Kuh

Um 10 Uhr beginnt der Dankgottesdienst mit anschließender Weihnachtsfeier der Caritas im Bistum, wo wir weitere Leute treffen und Briefe übergeben wollen.

Mein Eindruck vom Gottesdienst: vier Priester zelebrieren in der Hauskapelle, ca 20 Leute vom Caritas Office sind da. Es ist eine total entspannte Situation. Father Dan schaut immer mal wieder demonstrativ auf die Uhr während die anderen zelebrieren, ab und zu schaut mal jemand auf sein Handy. Es wird viel gelacht, die Musik wird von zwei Leuten gemacht. Einer spielt das Casio Keyboard mit Rhythmusautomatik, eine Frau singt die Lieder an, die anderen fallen ein. Vor dem Segen gibt es ein welcome an „Eli and his Father“. Dann kommen „a word given from..“ vier Grundsatzreden dazu, warum es schade ist dass immer wieder Leute nicht zur Kommunion gehen weil sie sich nicht bereit dafür finden. Schön fand ich die Ermunterung über das Gleichnis des verlorenen Sohn (für den abtrünnigen wird das Mastkalb geschlachtet), das verlorene Schaf (was hat es denn getan dass es - anderes wie die anderen - vom Hirten auf der Schulter getragen wird? Es ist verloren gegangen...). Also zwei Predigten vor dem Segen. Dann kommt vor der Tür ein Familienfoto, auf das wir natürlich nicht fehlen dürfen.

Wir sprechen Fr Daniel und Mdm Eucharia und übergeben unsere Briefe. Dann schaue ich mit Eli noch das Family Life Office an in dem sie seit November gearbeitet hat.

Der Innenhof des Family Life Office

Am Eingang steht ein Eimer mit Deckel mit Pofpof von Mdm Caroline. Das sind krebbelähnliche frittierte Teigbällchen und laut Eli die besten in ganz Kumbo. Eli nimmt für uns zwei raus und gibt Caroline später 100 Francs dafür. Superlecker! Wir verlassen die Feier vorsichtig, denn zu Hause kommen gleich Philip und Christa um sich von uns zu verabschieden und ihre Mitbringsel in Empfang zu nehmen. Es war sehr schön mit den beiden zu reisen und zu erzählen. Aber nach Weihnachten sehen wir uns noch einmal.

Der Stadtteil Mbve mit dem Markt vom Bishops Hill aus gesehen

Dann geht es zum Einkaufen in die Stadt. Zuerst waren wir in Mbve dann in Squares um verschiedene Dinge zu besorgen. Die Mädels wissen genau was wie wo bei welchem Stand kaufen, wieviel es normalerweise kosten sollte. Viele Preise werden über Handeln festgelegt, wobei das als fairer Sport zwischen den Parteien abläuft.


Der Markt ist voller Menschen, die Einkaufen und verkaufen. In kleinen Shops von maximal 10 Quadratmetern arbeiten teilweise r Näherinnen mit ihren Kindern, Menschen tragen schwere Säcke auf dem Kopf und schieben Karren durch die extrem engen Gassen. Was kostet hier eigentlich Handarbeit? Was macht die Arbeit dann zu einem Wert? Die Dinge sind wirklich nicht teuer, und die Menschen sind existenziell auf den Markt angewiesen: als Einnahmequelle und Möglichkeit zum einkaufen.


Im Supermarkt haben wir anschließen für ein paar Sachen wie Majonäse, Milchpulver und Nudeln mit 15000 deutlich mehr ausgegeben als für Stoff, Schneiderin, Gemüse, Bananen und die Bikes zusammen.

Zurück fahren wir mit zwei Bikes um 18 Uhr und kommen gerade noch im hellen zu Hause an. Die Mädels lassen sich nicht mit von den Bikefahrern bis vor die Tür fahren, damit die jungen Männer nicht wissen wo sie genau wohnen.


Abends kommt noch Therese zu Besuch und wir erzählen über die vergangenen Tage und ihre Aussichten für die Zeit nach ihrer Schulzeit. Ich gehe gegen 12 Uhr die 5 Minuten in PC und freue mich nach dem Einkaufstag mit Bikefahrten schon sehr auf meine Eisdusche und den Schlafsack. Wir reden den ganzen Tag englisch und es fällt mir inzwischen schwer diese Zeilen in deutsch aufzuschreiben. Meine Träume sind schon anglophon :)

Mittwoch, 20. Dezember 2017

20.12.2017 Ankunft in Kumbo

Um 7 Uhr heißt es Abfahrt aus Foumban, ohne Frühstück. Später dachte ich dass das gut war denn die rasante Fahrt bringt mich an den Rand dessen, was ich noch ertragen kann. Philip ist noch in Foumban in einen Public Transport umgestiegen und braucht schließlich bis abends 18 Uhr bis Kumbo.


Wir fahren über Bafoussam und Bamenda über teilweise extrem schlechte Straßen, wir hatten alle mit der Übelkeit zu kämpfen. Wenn wir uns mal nicht durch die Staubpisten fräsen haben geteerte oder betonierte Straßen Schlaglöcher, die die Karosserie zum krachen bringen. Brain hat eine Rally mit erheblicher Geschwindigkeit daraus gemacht, so dass ich eigentlich überhaupt keine Chance hatte die wunderbare Natur zu beachten, obwohl vorne sitzen konnte.


Um 12:30 Uhr kommen wir schließlich beim SAC (Saint Augustines College) bei der Hütte der beiden an. Zu Hause. Brain hilft uns noch beim Austausch der Gasflasche, was wegen des Ghosttown Streiks nur als Insider eine Chance hat. Wir gehen gemeinsam zum 5 Minuten entfernten Pastoral Center und während Eli noch Geld geholt hat erzähle ich mit einer Sister aus Sambia, die zur Weihnachtszeit echt Heimweh hat :(. Ich bekomme für 11 Tage das Zimmer 9a zu einem Preis von 5000 pro Nacht, was echt okay ist. Sehr einfach, aber es wird extra für mich durchgewischt und ich werde ja im wesentlichen bei den Mädels sein.


Die Mädels bekommen einen Anruf und es kündigt sich Besuch von Sr Miriam Dominique und Sr Maria von Romajay an, für erstere ich diverse Päckchen mitgebracht habe. Sie sind wirklich total nett und freuen sich wie kleine Kinder über die Österreichische Landwurst, Plätzchen, Schnapspralinen und vieles mehr. Wir verabreden ein Treffen zwischen den Jahren in Romajay vielleicht um Weihnachtslieder zu singen.

Dann machen wir eine Runde in der Nachbarschaft und ich lerne die 20jährige Therese kennen, die die meisten Abende bei den beiden verbringt. Ihr Vater ist Lehrer an der Schule und sie macht neben der Schule den Haushalt und kocht, da der Rest ihrer Familie unten in Squares wohnt.

Dann gehen wir zur hochschwangeren Edith mit ihren Kindern Marie und Buri. Die 4jährige Marie ist sehr gerne und ganz oft bei den beiden, denn sie hat es nicht leicht mit den anderen Kindern in der Nachbarschaft. Die 27jährige Mutter Edith ist total nett eine sehr große Hilfe in allen Fragen, Alltagssorgen und kommt auch sonst wie eine gute Freundin immer wieder zum erzählen vorbei. Therese und Edith sind gerade beim Huckelberry zupfen und wir setzen und dazu. Marie sitzt gleich mal bei mir auf dem Schoß zum Quatsch machen und kuscheln. Da macht das ankommen Spaß.


Wir besuchen noch die nächste Familie ein Haus weitere Die Mutter Henrietta war schon ganz eifersüchtig als sie uns bei Edith sitzen sah, ihre Tochter (An)Tonia zeigt uns ganz stolz ihr gerade erhaltenes Zeugnis. Sie hat noch vier weitere Töchter. Die Familie hat einige Tiere und ein Auto.

Dann müssen wir erst mal was essen und kochen Cuscus kochen. Lecker. Schliesslich gehe ich gegen 21 Uhr total müde ins Pastoral Center, dusche noch kalt und rasiere mich. Ich glaube ich habe seit langem nicht mehr so tief und gut geschlafen.

Dienstag, 19. Dezember 2017

19.12.2017 Foumban

Um halb acht treffen wir uns unten und alle sind da. Es geht ins Museum. Father Francline war nicht nur vom Hotel sondern auch von dieser Ausstellung von Artefakten des hiesigen Fons so begeistert, dass er uns diesen Besuch dringend empfohlen hat. Wir gehen durch das Tor an der Straße, noch ein Tor, dann ein Haus mit ganz deutlich deutscher Architektur aus der Kaiserzeit.

Es war nicht das letzte Mal das uns Deutsch begegnet ist

Oben im Museum zahlen wir unseren Eintritt und uns begleitet eine englischsprachige Führung. Es gibt wirklich extrem viele und interessante Informationen und Ausstellungsstücke von verschiedenen Königen seit 14hundertebbes.

Die Dynastie der Könige (und Königinnen) von Foumban

Was ich noch erinnere ist, dass es im Laufe der Zeit nicht nur männliche Könige gab, sondern auch zwei weibliche. Eine Frau hat nur 30 Minuten das Land geführt und dann, nach der Rückgewinnung der Macht, nach einem Militärputsch an ihren Sohn abgegeben. Der Fon, der dieses Haus und auch die Ausstellung gebaut hat, hatte 671 Königinnen und hat ein Buch über die Kunst der Liebe geschrieben. Die Mutter dieses Königs war die eigentliche Herrscherin, denn er selbst hatte so viele Ideen und Engagements, dass er kaum zum Regieren gekommen ist.

Symbole des Königreiches: Eine zweiköpfige Schlage, weil der König einmal in einem Konflikt sein Heer geteilt und dadurch an zwei Fronten einen Sieg errungen hat. Spinne als Symbol der Weisheit. Der Gong für das Vaterland, die Heimat

Das Königtum Nso von Kumbo ist von einer abtrünnigen Schwester des ersten Fons von Foumban gegründet worden. Das macht schon irgendwie deutlich wie in Kamerun der Hase läuft: Die Frauen sind sehr starke Persönlichkeiten mit viel Einfluss, haben aber offiziell nichts zu sagen. Kamerun ist eine Machokultur, aber auch eine, die sehr an Geisterglaube und Hexerei festhängt. Das alles hat aber nicht so viel mit den Religionen zu tun. Die Fons heute gehören wohl allen Religionen an denen ihre Untertanen angehören. Der König mit den 671 Frauen konvertierte vom Islam zum Christentum, weil er gerne rauchen wollte. Das ging aber wieder mit der Vielweiberei nicht gut und dann hat einfach seine eigene Religion gegründet - und alle mussten mitmachen. Heute hat diese Religion hier aber keine Bedeutung mehr.


Zur Führung gehört noch der Besuch der großen Trommel in einem extra Haus 100 Meter entfernt direkt neben einem Baum, der bereits zur Gründung des Königreiches der Gerichtsplatz war. Die Trommel ist etwa 5m lang und wird von vier Menschen über große Knüppel gespielt. Sie dient der Kommunikation und ist 60 km weit zu hören. Die verwendeten Rhythmen sind wie Codes, die z.B. eine Versammlung oder Mobilmachung Ankündigen oder den Tod einer wichtigen Person bekannt machen. Heute steht die Trommel am großen Festplatz vor der Moschee der heute Marktplatz ist.


Danach besuchen wir mit unserem Führer den Markt und dort diverse Kunsthandlungen. Dort werden verschiedene Masken, Kunstwerke, Figuren, Amulette oder rituelle Gegenstände zum Verkauf angeboten. Das Foumban das absolute Zentrum für die Herstellung dieser Dinge ist, erfuhren wir dann bei einer Führung durch ein der Kunstwerkstätten von Foumban. Dort arbeiten 150 Menschen, durchaus auch für Auftraggeber in Nigeria oder anderen Ländern. Ich habe ein Emblem gekauft mit den Symbolen des Königreiches: Eine zweiköpfige Schlage, weil der König einmal in einem Konflikt sein Heer geteilt und dadurch an zwei Fronten einen Sieg errungen hat. Spinne als Symbol der Weisheit. Der Gong für das Vaterland, die Heimat (Foto siehe oben am Tor des Palastes).


Ich habe ja schon vorher gehört dass überall Müll rumliegt. Ja das stimmt tatsächlich, und an vielen Stellen - vor allem an den Rändern der Siedlungen - brennen Haufen von Kunststoff und anderen Dingen.


Aber der rote Staub, der die Konsistenz von Puder oder Mehl hat, färbt die kleinen Müllteilchen in Erdfarbe, so dass es gar nicht so krass auffällt.


Das Museum wird gerade neu gebaut in Form einer Schlage (die den Eingang und Ausgang sind) und einer Spinne, so groß dass es weit über die ganze Stadt zu sehen ist.


Father Francline hat recht: das ist echt einen Besuch wert. Wir gehen noch einkaufen auf dem Markt, da zu Hause in Kumbo Ghosttown ist.


Wir sehen eine katholische Schule, die eine Kirche und eine open air Kapelle hat. Wir setzen und einen Moment und genießen die schöne Atmosphäre unter dem großen Baum und betrachten das Ensemble aus Figuren, Bänken und Autoreifen.


Wir essen noch ein paar gegrillte Maiskolben. Als ich die Frau frage, ob ich ein Foto von ihr machen darf, lächelt sie und sagt: lieber nur die Maiskolben.


Ziemlich fertig vom Vormittag und dem Input ohne Frühstück machen wir im Hotel erst einmal eine Pause und starten den späten Nachmittag mit einem Snack auf der Hotelveranda. Wir gehen noch einmal in einen anderen Stadtteil und besorgen uns dann ich einer Straßenküche drei gegrillte Fische und (scharfe!) Omletts gefüllt mit Platains, also frittierten Kochbananen.


Wir beschließen den Tag mit Quixx-Spielen auf der Veranda und bereiten uns morgen auf die stundenlange Heimfahrt vor. „Juhu, es geht nach Hause“.

Montag, 18. Dezember 2017

18.12.2017 von Yaoundé nach Foumban

Nach dem aufwachen weiß ich erst mal gar nicht wo ich bin. Eli ist so erkältet dass sie keine Stimme mehr hat und sie versucht sich mit Naseputzen vergeblich Luft zu verschaffen. Gestern Abend habe ich noch eine nicht ganz tote Schabe auf den minikleinen Balkon gebracht, aber eigentlich ist alles gut. Die Wandfarbe ist trotz der Wasserflecken noch erkennbar. Es gibt einen Kühlschrank, den ich erfolgreich einschalte und den Käse und die Schokolade aus dem Handgepäck darin verstaue. Für kamerunische Verhältnisse sogar sehr gut wie ich noch merken sollte.

Der Blick aus dem Fenster

Frühstück 9 Uhr mit Milchpulver, Kaffee, Hühnchen und Spiegelei. Da stehen auch Knoblauchzehen bereit und eine Margarine im 900 Gramm Eimer. Es gibt Baguette und ich habe richtig Hunger da wir gestern nur noch ein paar von Christina und Elis selbst gemachten Plätzchen gegessen haben.

Die Mädels bezahlen die vier Zimmer. 10.000 Francs pro Zimmer, ich beginne zu rechnen, werde aber von Eli zurecht gewiesen: "Vergiss es, man kann das hier nicht in Euro rechnen. Es gibt hier andere Preise, daran gewöhnst du dich noch". Father Zeph bat uns gestern noch Philip und Christa in die Liste zu schreiben, damit er ggf. auf nachfragen der Polizei beweisen kann dass sie diese Nacht hier waren. Auf dem durchlaufend nummerierten Block mit den Rechnungen/Quittungen waren hinter uns aber schon andere Personen eingecheckt worden, also haben wir es gelassen.

Christas Mutter arbeitet in Yaoundé und sie möchte noch Sachen von ihr übernehmen. Brain versucht auf unseren Wunsch jemanden aufzutreiben, der meine Euros in kamerunische Francs tauschen kann. Wir vereinbaren irgendeine Uhrzeit, aber da unklar ist wann wir die drei mit dem Auto wiedersehen, gehen Christina, Eli und ich in die nahegelegene Basilika.


Die Basilika ist ein beeindruckendes Gotteshaus für mehr als 1.000 Menschen. Man kann wie in Taize die hinteren Wände öffnen, so dass der riesige Platz vor der Kirche den Kirchenraum erweitert. Das Dach kragt weit aus und die Wasserspeier füllen in der Regenzeit sicher die großen Becken darunter. Außen sind die sieben Sakramente in 10 Meter hohen Keramikrelieffs dargestellt - ganz in der afrikanischen Art. Die Ehe zeigt zum Beispiel ein älteres Ehepaar vor ihrer Hütte mit ihren schon erwachsenen Kindern, vielleicht auch Freunden, wie sie sich um Feuer, Tiere, Essen kümmern und sich gegenseitig unterstützen. Wie in einer Kathedrale gibt es eine goldene heilige Pforte, die von außen durch einen großen Gitterkäfig geschützt ist. An ihr beten Menschen, die dabei ihre Stirn auflegen. Kleine Zettel hängen in Marias Krone. Ein kleines Kind wartet geduldig eine lange Zeit darauf dass ihre Mutter fertig wird. Der Innenraum ist in einem Halbkreis um den Altar gebaut. Die Sitzreihen haben keine Kniebänke und einen weiten Abstand voneinander. Damit man besser am Platz tanzen kann. Es gibt hier eine Orgel. Sowas haben die Mädels in Kamerun bisher noch nicht gesehen. Über die mächtige Mikrophonanlage beginnt eine Frau für ca. 20 Anwesende den Rosenkranz zu beten.


Wir gehen weiter über die belebte Straße auf den Friedhof und besuchen das Grab von Joseph Ndzinga, dem ersten Bischof von Kamerun, der in Limburg geweiht wurde. Die Gräber sind schmucklos gekachelt und haben teilweise kleine Häuschen darüber. Es gibt in Kamerun keine Urnenbeisetzungen, das können sich die Leute hier nicht vorstellen. Normalerweise wird hier der Müll verbrannt.


Auf dem kurzen Fußweg zurück kaufen die beiden am Straßenrand für 200 Francs nach einigen Verhandlungen ein Plastiktütchen Ananas. Natürlich versuchen die Leute hier zuerst einmal viel zu viel zu verlangen, weil wir Weiße sind und die immer viel Geld haben. Das stimmt ja auch meistens. Es gibt ganz wenige weiße hier. In Yaoundé kam noch eine französische Delegation an die wir beim Frühstück getroffen haben. Aber sonst haben wir überhaupt niemanden anderen mit weißer Hautfarbe gesehen. Alles ist so herrlich pragmatisch und entspannt hier. Ich würde auch einfach hier rumlaufen dürfen ohne dass alle gucken. Vor allem die Kinder können oft nicht anderes als uns zu fixieren so lange wir in Sicht sind. Eigentlich wäre ich hier gerne ein Schwarzer wie die anderen auch. Aber die Ananas waren extrem lecker.


Um 11:30 Uhr geht es dann mit gepacktem Auto durch die Stadt Yaoundé. Der Verkehr ist chaotisch aber nicht aggressiv. Im Regierungsviertel direkt gegenüber von Hilton tauschen wir bei einem Mann durch das Autofenster zweimal 100 Euro zu einem guten Kurs von 1:660. Das sollte für unseren zweitägigen Aufenthalt in Foumban genügen. Hinten sitzen sie zu viert, was für Fr Francline und seine Versicherung ein Problem darstellt. Wir suchen also beim rausfahren nach einem privaten Bus nach Foumban für Philip. Schließlich finden wir an irgendeiner belebten Stelle an der Ausfallstraße einen Bus in dem schon alle Plätze besetzt zu sein scheinen. Philip zahlt 2500 Francs und verlässt uns.


Jetzt beginnt eine Rallye ähnliche Rennfahrt mit Brain. Oft sind Kühe auf der Straße, auf dem Dach der privaten Kleinbusse, Public Transports, wird haufenweise Gepäck und Sperrgut balanciert und dort ist auch schon mal eine Ziege festgebunden. Leute sitzen auf Ladeflächen und in hinten offenen Autos. Trotz heftiger Turbulenzen schlafen hinten inzwischen die drei Mädels, aber ich kann mich nicht sattsehen am Wald mit seinen riesigen Bäumen, den Bananenstauden, den vielen Kindern die in Scharen zu Fuß entlang der Straße in ihren bunten Schuluniformen nach Hause unterwegs sind. Die uralten qualmenden LKW, Autos und Sanili Bikes fahren hupend total dicht an ihnen vorbei. Alles ist extrem überladen. Vier Personen mit Gepäck auf einem Motorrad ist keine Seltenheit. Auch die Natur ist überladen und üppig. An vielen Stellen brennt es an der Straße und im Wald. Keine Ahnung ob da gerade Müll verbrannt wird oder jemand rodet.


Ich erzähle ab und zu mit Brain und frage ihn alles mögliche. Manchmal frage ich einfach in deutsch und er schaut mich ganz groß an. Mir ist gar nicht mehr bewusst welche Sprache ich nehme. Ich vertraue ihm schon so intensiv dass ich das gar nicht merke. Jemand am Straßenrand hält zum Verkauf ein totes Tier in den Verkehr, bei dem das Fell schon abgezogen ist. Ich frage ob es ein Hase oder eine kleine Ziege war. Wir einigen uns darauf dass es eine kleine Antilope war, da er nicht weiß wie das Tier auf englisch heißt. Er weiß es nur auf Lamnso. Es ist keine gute Idee mit einer Gazelle von der Polizei erwischt zu werden, man wird dafür wegen Wilderei eingesperrt, auch wenn man „es gar nicht war“. Man unterstützt ja damit die Wilderei.


Wir halten schließlich nach drei Stunden in Makenene auf halber Strecke für eine Mittagspause. Der Ort ist eine an die Straße gebaute Raststätte aus vielen kleinen Feuerküchen wo es allerlei gegrilltes und gekochtes gibt. Wir haben lecker gebratenen Fisch gegessen und Christa hat uns Kürbiskernpudding dazu besorgt. Ich habe das erste mal Bobolo gegessen, das eigentlich nur nach etwas schmeckt, wenn man es mit etwas anderem zusammen isst. Plötzlich ist Philip bei uns - sein Bus macht hier auch kurz halt. Kurz sind ca. 5 Minuten.


Unterwegs haben wir noch die Reste eines schweren Unfalls am Tag zuvor gesehen. Man kann kaum glauben dass bei dem Gewusel und Gerase hier nicht mehr Unfälle passieren.



Wir kommen schließlich ziemlich fertig um 18 Uhr in Foumban an. Keiner von uns war schon mal hier, auch Brain nicht. Wir suchen und finden schließlich den Palast. Dort soll laut Fr Francline links ein Hotel sein. Wir fahren einfach mal mit dem schicken Bischofspickup in den Palastvorhof ein und finden einen sehr gut gekleideten jungen Mann. Brain sagt: "Der kann uns helfen".

Er zeigt uns mit einem Bike vorausfahrend den Weg zum Hotel, wo wir uns schließlich wie in Yaoundé vier Standardzimmer für jeweils 15000 für zwei Nächte buchen. Mit den Benzinkosten für zwei Tankfüllungen ist damit mein getauschtes auch schon ziemlich angefressen. Mit dem Mann verabreden wir für denn nächsten Tag 8 Uhr ein Treffen vor dem Hotel. Er besorgt uns einen guten englischen Führer für das Museum des Fons, also des regionalen Königs.

Abends essen wir ohne Brain im Hotel. Er bekommt von uns Geld, denn er isst lieber draußen etwas und trinkt sein Lieblingsbier: Guinness. Wir erzählen über unsere Eindrücke und diskutieren mit den beiden nach einem Jahr frisch aus Deutschland zurückgekehrten kamerunische Religionsansichten. Hier gibt es Baptisten, Katholiken und Muslime, Evanglische, die sich dogmatisch abgrenzen aber doch über Familienbande zusammenfinden. Es geht um Kinderrechte: Christa findet Kinder haben ein Recht auf einen Glauben und das sind Elternpflichten: Eltern haben die Pflicht ihren Kindern einen Glauben zu vermitteln. Sie versteht nicht warum Eltern in Deutschland ihre Kinder so vernachlässigen. Die beiden hätten so gerne einmal einen kamerunischen Gottesdienst in Deutschland gefeiert, aber selbst die Leute in der Jugendkirche Kana wollten das nicht ausprobieren. Die Cherubin und Serafin singen immer, König David muss im Tempel immer tanzen, sonst geht das mit dem Gotteslob bei ihm gar nicht. Klar: Tanzen kann ich auch allein, aber... das ist wie beten alleine. Unser leben sei ein Fest!

Ich habe an diesem Abend Ndole mit Reis gegessen. Das sind Spinat ähnliche Bitter Leaves mit Fisch, und dazu noch Plantains, also frittierte Kochbananen. Das Zimmer hat keine Moskitonetz und die Toilettenspülung funktioniert nicht. Dafür ist der Eimer da, den man an der Dusche vollmachen kann. Ich wasche mir vor dem Schlafen den roten Staub ab. Der Duschkopf funktioniert nicht. Aber das ist auch total unwichtig jetzt. Ein krasser Tag voller Eindrücke.